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„Turnfahrt des TGS nach Franken .........“

 Eigentlich war eine turn- und kulturhistorische TGS – Reise in diesem Jahr nicht mehr vorgesehen, aber es gibt Mitmenschen, die sind durch nichts von nichts abzubringen.

Viele hatten gemeint, das Deutsche Turnfest im Mai in Leipzig sei genug gewesen, aber es wäre ein Fehler bei unserer „TGS – Frankenfahrt“ nicht dabei gewesen zu sein. Ein voller, großer, moderner Reisebus ließ uns am 19.Sept. in aller Herrgottsfrühe ins Fränkische starten.

Rudolf Weber hatte eine exzellent vorbereitete Reise geplant, die uns in 4 Tagen in 5 Städte bringen sollte. Erste Station war Bayreuth, die Stadt des dolce vita, der Inbegriff der Fürstenzeit. Bayreuth ist schillernde Residenz der lebensfrohen, kunstsinnigen Königstochter

Wilhelmine und des Markgrafen Friedrich, Mitte des 18. Jahrhunderts. Ein Muß ist der Besuch des Markgräflichen Opernhauses. Aber in Bayreuth wandelt man auch auf den Spuren großer Komponisten und Dichter. Bayreuth ist das Domizil der Künstler schlechthin.

Jean Paul schwingt die Feder zu poetischen Wortspielen und eigenwilligen Romanen. Aber das Aushängeschild Bayreuths ist Richard Wagner. Er schafft  unsterbliche Werke voller Mystik + Dramatik, oder der Virtuose Franz Liszt, der mit seinen Kompositionen am Piano begeistert. Nicht zuletzt das Festspielhaus auf dem Grünen Hügel, wo ausschließlich Wagner – Werke aufgeführt werden.- Auch sollte man die fränkische Kost erwähnen, deftige Klöße, knusprige Braten und die fränkische Bratwurst. Traditionsbrauereien laden ein und wir haben ein einzigartiges Biermuseum der „Maisel – Brauerei“ besichtigt. Schon der oben erwähnte Dichter Jean Paul konnte dem fränkischen Bier nur positive Seiten abgewinnen und seinem historischen Spruch: „Es nährt, stärkt mir die Nerven und macht mich heiter“, kann man sich nur anschließen. – Wir erfuhren, wie Bier nach dem immer noch geltenden Reinheitsgebot von 1516 (!) in Deutschland hergestellt wird, nämlich aus 4 Stoffen: Malz, Hopfen, Hefe + Wasser, wobei die Qualität letzterem eine außerordentliche Bedeutung zukommt. (Härtegrad).

Unser Hotel nennt sich :“Das besondere Wirtshaus“, das den Mitfahrern aber nur im positiven Sinn auch so vorkam. – Um das Gebiet (Fränkische Schweiz, Fichtelgebirge ......) einigermaßen kennenzulernen, ist ein einheimischer Fremdenführer Voraussetzung. Einer dieser fuhr am Freitag, 20.09.02 mit uns in die Fränkische Schweiz, um uns eine Landschaft mit eigenem Flair näherzubringen. Los ging´s in Kulmbach, einer der Bierstädte Frankens. Oberhalb Kulmbachs liegt eine der mächtigsten Festungsanlagen Bayern, die Plassenburg. Sie gehörte von 1340 bis 1791 den Burggrafen von Nürnberg und späteren Markgrafen aus dem Hause Hohenzollern. Heute ist sie Museum mit vielen Abteilungen. Hochinteressant ist das Zinnfigurenmuseum, es sollen heute über 300 000 (!) Einzelfiguren ausgestellt sein. – Ganz in der Nähe, im Museum Neuenmarkt, befindet sich das Deutsche Dampflokomotiv-Museum.-

Wir lassen die Fichtelgebirgslandschaft auf uns einwirken und erreichen den Ort Gößweinstein mit seiner berühmtem Wallfahrtskirche. Nach der Besichtigung mit entsprechenden Erläuterungen unseres Fremdenführers, geht die Reise weiter nach Pottenstein. Hier ist die Attraktion die „Teufelshöhle“, eine Tropfsteinhöhle von einigem Ausmaß. Die Führung und Besichtigung geht über 400 Stufen, ist etwa 1500 m lang und dauert ca. 45 min. Hier sieht man die in Jahrmillionen gewachsenen, durch auftropfendes kalkhaltiges Wasser allmählich von unten nach oben wachsende, säulenartige Tropfsteingebilde (Stalagmiten) und die hängenden, zapfenartigen Tropfsteingebilde von der Decke nach unten auf die Stalagmiten wachsenden Tropfsteine (Stalagtiten). Um 1mm zu wachsen bedarf es ungefähr 13 Jahre (!).  Mit entsprechendem Licht und Ausschnitten aus Wagnermusiken entsteht in der Höhle ein interessanter Eindruck.

Das Kontrastprogramm dazu war dann abends im Hotel nach dem Essen eine zünftige „Fränkische Bierprobe“. Alle hielten gut mit, konnten verschiedene Biere auseinanderhalten und erhielten das „Bierkenner – Diplom“ und ein Präsent.

Am nächsten Tag (21.09.) stand die Stadt Coburg auf dem Programm. „Fränkische Krone“ wird die gewaltige Veste hoch über der Stadt genannt, aber hierfür benötigt man allein 1 – 2 Tage, um die Sehenswürdigkeiten dieser Anlage zu bewältigen. Erst 1920 ist sie vom Herzogshaus Sachsen- Coburg + Gotha in öffentlichen Besitz übergegangen, sie kam zu Bayern.

 â€žAndere mögen Krieg führen, du, glückliches Coburg, heirate !“ war der Leitspruch der Herzöge von Sachsen –Coburg + Gotha und machten Coburg zur Wiege des europäischen Hochadels. In Coburg läßt es sich leben hatte Wilhelm Busch vielleicht im Sinn, als er sagte: “Wer einen guten Braten macht, hat auch ein gutes Herz“. –

Coburg ist aber auch die Stadt der TURNER. Viktor von Scheffel sagte einmal: „Wohlauf, die Luft geht frisch und rein; wer lange sitzt, muß rosten; den allersonnigsten Sonnenschein läßt uns der Himmel kosten“.

Der Herzog von Sachsen- Coburg + Gotha, Ernst II, war bereit, die von den Turnfreunden in Schwaben vorgetragene Bitte zur Durchführung eines 1. Deutschen Turn- und Jugendfestes 1860 in Coburg anzunehmen und diesem Fest Heimstatt zu gewähren. Dieses war die Gründung der Deutschen Turnerschaft und zugleich ein Aufruf an alle Patrioten im Land.

Im Rathaussaal von Coburg kann man heute das Ehrenfenster der Deutschen Turner besichtigen. (s.a. Bild) –

Eine Coburger Spezialität sollte man sich nicht entgehen lassen, die auf „Huzzeln“ gegrillte Rostbratwurst, köstlich und bekömmlich.

Über Lichtenfels, in der Nähe von Bad Staffelstein, findet man die Wallfahrtskirche Vierzehnheiligen, die der berühmte Baumeister seiner Zeit, Balthasar Neumann mit erbaute.

Nächstes Ziel der TGS „Frankenfahrt“ ist Bamberg, eine der schönsten Städte Deutschlands. Ein 1000 jähriges Gesamtkunstwerk, von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt, präsentiert sich einem lebendig und facettenreich. Mit der Gründung des Bistums Bamberg durch Heinrich II. im Jahre 1007 n.Chr. Er ließ auch den Dom bauen. Nun begann die außerordentliche Entwicklung dieser Stadt. Ab der Romanik findet man hier alle abendländischen Epochen. Bamberg war für kurze Zeit sogar Hauptstadt des Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation. Im Kaiserdom ruhen die Gebeine Heinrich II und seiner Gemahlin, der heiligen Kunigunde und auch das einzige Papstgrab nördlich der Alpen.- Das Rathaus mitten im Fluß, das Mühlenviertel, die Fischereisiedlung Klein Venedig, sind nur einige Teile des größten zusammenhängenden Altstadtensembles Deutschlands. Die barocke Umgestaltung während der Herrscherzeit der Fürstbischöfe der Schönborns (1693 – 1746), an der die bedeutendsten Baumeister ihrer Generation mitgewirkt haben, haben Bamberg das heutige Antlitz gegeben.

E.T.A.Hoffmann  hat hier als angehender Dichter + Komponist 1808 bis 1813 wichtige Jahre seines Lebens verbracht. – Bamberg ist natürlich auch eine Bierstadt, so gibt es hier z.B. das gewöhnungsbedürftige bekannte „Rauchbier“ (Kenner behaupten, das schmecke erst nach dem 3. oder 5. Glas). Viel Kultur macht hungrig und durstig und so ist der Ausklang des Tages im Hotel mit einem „Bayerischen Abend“ zünftig und auch mit Tanzbeinschwingen vorbehalten.

Der letzte Tag der Reise bricht an und man jetzt schon den Eindruck, wo ist nur die Zeit geblieben? Auf dem Weg nach Würzburg, der letzten Station unserer Reise, kommt man an Pommersfelden vorbei mit dem fränkischen Barockschloß „Weißenstein“. Unübersehbar erhebt sich der dreiflügelige Barockbau aus der Landschaft. Es war die repräsentative fürstbischöfliche Sommerresidenz des Fürstbischofs von Bamberg und Kurfürst von Mainz

Lothar Franz von Schönborn (1711). Der Name des Schlosses „Weißenstein“ entstammt des verbauten hellen Sandsteins aus der Umgebung. Großartig das berühmte Treppenhaus (Raumvolumen ca. 8000 cbm) und das Deckengemälde „Die vier Erdteile“.

 

MainmetropoleWürzburg.

Hier haben die weltlich-religiösen Würdenträger versucht, sich gegenseitig mit Prachtbauten zu übertrumpfen. Schlösser, Residenzen, Kirchen, Klöster + Kapellen, allein wer alle „Riemenschneider“ Altäre in der Gegend sehen will, braucht eine  Menge Zeit. Daher stammt auch der Begriff „Madonnenland“. Selbst Napoleon war von der Residenz in Würzburg mit ihrem monumentalen Treppenhaus und dem weltberühmtem Tiepolo – Deckengemälde beeindruckt. Die Stuckarbeiten, alle von Hand gefertigt und modelliert, sind einzigartig.

Die einzelnen Räume sind grandios und werden beim Rundgang durch die Residenz von Zimmer zu Zimmer immer prunkvoller. Nicht entgehen lassen sollte man sich einen kleinen Spaziergang durch den sich anschließenden Garten. – Beim Gang durch die Stadt fällt einem ein zweitürmiges hohes Gebäude auf, der Dom. Es ist eines der Hauptwerke der deutschen Baukunst zur Zeit der Salier. Als viertgrößte deutsche romanische Kathedrale reiht sich die Würzburger Bischofskirche in die Reihe der großen rheinischen Kaiserdome ein.

Leider mußte er in den 50 iger Jahren des letzten Jahrhunderts umgestaltet werden, denn völlig sinnlos wurde Würzburg am 16. März 1945 zu 93 % zerstört, obwohl strategisch völlig unbedeutend. Man hat lange überlegt, ob man das jämmerliche Trümmerfeld wieder aufbauen sollte oder der Nachwelt als Symbol irgendeines Irrsinns erhalten sollte, aber man hat es geschafft, wieder eine bedeutende Stadt zu erbauen. So ist der Dom ein lebendiges Beispiel für barocke Ausstattung und Moderne. -

Aber was wäre das Frankenland ohne seine berühmten Weine. Und so war , quasi als krönender Abschluß, eine Weinprobe im Weingut Juliusspital Würzburg fast ein „Muß!“

Das Weingut ist mit 163 ha Rebland eines der größten und renommiertesten deutschen Weingüter u.a. ist hier der fränkische Silvaner zu Hause, selbstredend in der für fränkische Weine typischen bauchigen Flaschenform. Dieses Markenzeichen für Qualität aus fränkischen Landen ist der seit 1726 bekannte Bocksbeutel. –

Schnell ging auch hier die Zeit dahin und man mußte die Heimreise nach Kaiserslautern antreten. Viele neue gewonnenen Eindrücke werden die TGS „Frankenfahrer“ noch lange beschäftigen.............., u.a. „Hoascht schon g´hört, der Baumann ist gestorben ...“

 

Wolfgang Booß           26.09.02